Wann Rasen säen – und warum ich davon abrate
Ing. Schranz | 28. Januar 2012Wann Rasen säen?
Ich möchte diese Frage in diesem Artikel gerne beantworten, und darüber hinaus werde ich Ihnen auch meinen Standpunkt erklären, warum ich vom selbst Rasen säen abrate, damit Sie Ihre wertvolle Vorbereitungsarbeit nicht umsonst machen.
Wenn Sie mich fragen wann Sie Rasen säen sollen, dann möchte ich Sie gleich einmal schockieren, und antworten: NIEMALS, warum werde ich gleich erklären.
Bevor ich die Erklärung liefere, vorab ein paar Bilder von typischen Ergebnissen von selbst Rasen säen …. sagen ja mehr als tausend Worte.
Für Alle, die aber fest entschlossen sind, Rasen säen zu wollen, möchte ich kurz eine fachliche Information geben.
Keim und Wachsstumstemperaturen von Rasensamen
Rasengräser ( der oberirdische Teil) wachsen am besten, wenn die Temperaturen zwischen 14 und 25 Grad C liegen, die Wurzeln wachsen am Besten bei Bodentemperaturen von 10-18 Grad C.
Die Temeratur für die optimal Keimung ist am günstigsten, zwischen 16-23 Grad C, darunter erfolgt die Keimung langsamer, und zwar bis zu 5 Grad.
Umgelegt auf unsere durchschnittlichen Temperaturen in Österreich, kann man sagen, vor Anfang Mai ist das Risiko sehr groß, dass ein bereits gekeimter Samen nochmals friert, und dadurch abstirbt. Als anderes Extrem ist bekannt, dass Keimlinge bei 45 Grad C absterben.
Also Rasen säen frühestens Anfang Mai, im Juli/August aussetzen, und nicht später als Mitte/Ende September
Voraussetzungen damit Rasen säen einen Sinn macht
Eine gute Keimung setzt voraus, dass neben dem Saatgut, die richtige Saatmenge, die Temperatur, die Bodenbeschaffenheit, und dessen Fähigkeit Wasser zu speichern, und die Wassermenge in der richtigen Menge und Qualität vorhanden ist.
Wasser wird benötigt, damit der Samen aufquellen kann, dabei werden chemische Prozesse eingeleitet, die Enzyme aktivieren, die nicht durch Trockenheit unterbrochen werden dürfen. Trocknet der keimende Samen einmal aus, stoppt dieser chemische Prozess, und der Keimling stirbt ab.
Also ist es wichtig für die anhaltende Bodenfeuchte zu sorgen, wichtig ist auch der gute Bodenkontakt, den man durch Anwalzung nach der Aussaat erreicht, damit der Samen auf der ständig feuchten Erde liegt, um in ruhe Quellen und “schlupfen” zu können.
Die verabreichte Wassermenge ist aber ganz wichtig, wenn man sich denkt, ich tue den Rasenpflanzen nach dem Rasen säen gleich etwas Gutes indem ich ganz fest gieße, dann wird als erstes einmal passieren, dass der Samen auf den sich bildenden kleinen Pfützen aufschwimmt, und mit dem Wasser davon treibt. Dadurch entstehen Stellen ohne Saatgut, und demnach die typischen Lücken im Rasen der selbst gesät wurde.(siehe Fotos)
Ist zuviel Wasser vorhanden, wie es oft bei lehmiger schwerer Erde im Schattenbereichen vorkommt, dann bekommt der Keim keinen Sauerstoff, und stirbt auch ab, oder es bilden sich durch den feuchten und meistens zu kalten Boden Pilzinfektionen, die die Gräser zuerst kümmern lässt, und dann sterben lässt, ihr Rasen säen war leider vergeblich, Unkraut, das in Form von Samen in der Erde schlummert, oder vom Wind herbei getragen wird, findet gute Bedingungen vor, und erobert schnell den freien Lebensraum, dabei werden dann auch noch die Rasenpflanzen verdrängt, die anfangs nicht umgekommen sind.
Ist zu wenig Wasser vorhanden, wie es oft bei stark sandigen Böden, und durch unzureichende Wassergaben vorkommt, stirbt der Keim wie oben beschrieben, ihr Rasen säen war umsonst, und es werden sich Unkrautsamen die erfolgreich keimen schnell über die freien Flächem zwischen vereinzelten Rasenpflanzen ausdehnen, und alle Vorbereitungsarbeit der Bodenverbesserung, Planierung usw. war umsonst.
Was kann beim Rasen säen noch schief laufen?
Wenn man zuviel Rasen sät
Ein Faktor, der auch oft falsch gemacht wird, ist ist die falsche Saatmenge die aufgebracht wird. Im Normalfall ist eine Saatmenge von 25 g/m² ideal, viele Anwender haben noch das schlechte, letzte lückenhafte Ergebnis von früheren Ansaaten im Kopf, und führen das auf eine zu geringe Saatemege zurück, die sie gesät haben. Zufolge wird nicht gespart mit dem Samen, soviel bis der Boden nicht meher braun, sondern ocker ist, komplett mit Grassamen überschüttet. Wenn jetzt die Keime beginnen zu wachsen, müssen sie schlichtweg übereinander wachsen, kein Keim bekommt genug Wasser, Sauerstoff, Licht und Nährstoffe, es entsteht ein Absterben, so als würden in Ihrem Haus plötzlich 2000 Menschen wohnen, dann würde jedem Einzelnen Essen, Trinken, und Luft fehlen.
Die Folge dieses zu viel des Guten an Samen ist ein dichter Rasenfilz aus abgestorbenen Gräsern, der erst einmal durch vertikutieren wieder herausgearbeitet werden muss. Wenn dies nicht geschieht kommt zu wenig Luft an den Wurzelbereich, Pilzinfektionen sind die Folge. Ebenso kommt zu wenig Licht an die Grasbasis, die Gräser beginnen sich gelb zu verfärben, so wie Spargel unter der Erde.
Was ist die Folge von unprofessionellen Rasen säen?
Wie auf den Bildern oben zu sehen ist, entstehen in den meisten Fällen Lücken, die schnellstmöglich geschlossen werden müssen. Während unsere Anbaufläche sich im Keimstadium befindet, dürfen wir Sie aber nicht betreten, das bedutet, Grassamen zum Ausbessern frühestens nach 4 Wochen aufbringen, und weitere 4 Wochen feucht halten. Sollte dazwischen ein stärkerer Regen kommen, oder Sie einmal nicht die Zeit haben, 5 mal am Tag die Fläche einzunebeln, dann bitte von vorne anfangen.
Unkraut im Rasen
In der Natur bleibt kein Raum unbesetzt, deswegen kämpfen Pflanzen um Besiedelungsflächen. Ist der Platz nicht besetzt, dann kommt ein anderer Samen, meistens ein Unkrautsamen in den Genuss, eines aufgelockerten Bodens, Düngers und Wasser. Diese Samen sind noch dazu keimfreudiger, als Rasensamen und haben eine kürzere Keimdauer, so daß diese den Platz besetzt haben, bevor wir noch zum ersten mal nachsäen kommen. Für uns bedeutet das, daß wir vor der Nachsaat erst einmal das Unkraut ausstechen müssen, weil sonst unsere Rasenpflänzchen keine Überlebenschance haben.
Bei der Betrachtung des obigen Zeitfensters für das Rasen säen, wird uns schnell klar, dass es jetzt vor den heißen Monaten Juli und Juli nicht wirklich mehr klappen wird, und die Nachsaat dann auf September verschoben werden muss. Leider wird in den heißen Monaten das Unkraut sich aber weiter ausbreiten. Bitte timen Sie die Nachsaat gut, denn wenn Sie nach der frischen Nachsaat rasen mähen, saugt er ihnen den Grassamen weg, und die Lücken werden….durch Unkraut geschlossen.
Rasen säen oder Rollrasen verlegen?
Natürlich funktioniert die Rasenanlage durch Rasen säen, doch wie Sie schon gemerkt haben müssen Sie nicht nur das richtige Wissen mitbringen, sondern wirklich viel Zeit und Sorgfalt, dann werde Sie in der nächsten Saison auch eine Rasenfläche haben, die Sie dann auch benutzen können, der Unkrautgehalt wird aber auf jeden Fall viel stärker sein, als bei der Verwendung von Rollrasen.
Bitte bedenken Sie auch neben Ihrem persönlichen Zeiteinsatz für Rasen säen und Rasen mehermals nachsäen, den finanziellen Aufwand für Grassamen, Unkrautvernichter und erhöhten Wasserbedarf.
Rasen säen bringt einen Zeitverlust von 12-15 Monaten
Wenn Sie diese Arbeit lieber delegieren, dann wird bereits am Feld diese aufwendige Anwuchspflege unter optimasten Bedingungen für Sie erledigt, das beginnt schon mit dem Rasen säen durch Saatmaschinen, die die optimale Saatmenge in exakt den richtigen Abständen in den Boden bringen, geht über die gezielte bedarfsgerechte Bewässerung über die nötige Düngung und Unkrautbekämpfung.
Das Ergebnis nach mindestens 12 Monaten Wuchs- und Pflegezeit ist ein unkrautfreier, kräftiger, gesunder, sattgrüner Rasenteppich, der ein starkes Wurzelwerk aufweist, welches die Voraussetzung für ein erfolgreiches Weiterwachsen und Anwurzeln ist.
Ich glaube die Frage Rasen säen oder Rollrasen verlegen hat sich in diesem Artikel geklärt, und ich wünsche Ihnen, dass Sie die Entscheidung treffen, die Ihnen die gröstmögliche Freude und Zufriedenheit bringt.






















